Vorbereitungen in der Landschaftsfotografie

Wie bereite ich mich auf eine Fototour vor?

Dieses Jahr durfte ich auf den Photo Days 2016 in Weinfelden einen Vortrag über die Vorbereitungen in der Landschaftsfotografie halten. Das Interesse war groß und ich habe mich über die vielen Besucher sehr gefreut. Nun möchte ich auch diesen Weg hier nutzen, um Dir ein paar Tipps zur Vorbereitung von Fototouren zu geben – ganz gleich, ob es um eine Reise in die Berge, ins Flachland oder um ein Städteporträt geht.

Eine gute Vorbereitung ist wichtig

Wenn man erst mal unterwegs ist, dreht sich alles um das Fotografieren, es sollen schließlich tolle Bilder entstehen. Deswegen ist es unerlässlich, sich im Vorfeld gut vorzubereiten. Welche Locations sollen wann aufgesucht werden, worauf muss jeweils besonders geachtet werden, wie wird das Wetter und welche Ausrüstung muss ich einpacken – sowohl hinsichtlich des Fotoequipments als auch für den persönlichen Bedarf.

Zuallererst aber mache ich mir natürlich Gedanken darüber, was ich eigentlich fotografieren möchte. Denn die Bilder entstehen meistens zuerst im Kopf. Bei mir ist es so, dass ich einige Motive im Kopf habe, die ich auf jeden Fall in nächster Zeit umsetzen möchte. Oft aber gehe ich auch einfach drauf los, packe meine Kamera ein und lasse mich von der Umgebung inspirieren. In beiden Fällen lässt sich nur eines nicht genau planen: das Wetter und die Lichtverhältnisse vor Ort. Doch wer gut vorbereitet ist, kann eigentlich nicht überrascht werden.

Wie finde ich eine gute Location?

Wenn ich nicht gerade willkürlich drauf losgehe, lasse ich mich von Freunden oder Nachbarn inspirieren, die gerne unterwegs sind. Sie wandern, gehen in die Berge oder machen Städtereisen, von denen sie mir erzählen. Begeisterte Menschen, die gerne draußen sind, sehen die Welt mit anderen Augen – so wie wir Fotografen auch.

Eine gute Quelle sind auch meine Fotografenkollegen, mit denen ich mich über Projekte austausche. Oder ich schaue bei 500px nach und suche mir spannende Locations aus. Auch in speziellen Facebookgruppen, die mit Fotografie zu tun haben, finde ich immer wieder spannende Locations.

Außerdem verbringe ich viel Zeit mit der Suche über Google Maps oder in meinen geliebten Schweizer Landkarten (Massstab 1:25‘000). Dabei achte ich darauf, mich schnell auf eine Region einzugrenzen, um die Suche zu verfeinern und eine Location zu entdecken.

Was möchte ich fotografieren?

Die Frage stellt sich eigentlich schon bei der Suche nach der Locations: Sollen es weite Landschaften, Berggruppen, ein Kornfeld, ein Bergsee oder gar eine urbane Umgebung sein? Wenn ich das «Was» weiss, überlege ich mir das «Wann». Will ich Tageslicht nutzen, die Goldene Stunde, die Blaue Stunde? Oder sollen es Nachtmotive werden: Milchstrasse, Sternspuren oder Lichtspuren in einer Stadt? Brauche ich für dramatische Bilder entsprechende Wetterverhältnisse (viele Wolken)? Um den Sonnenverlauf genau zu bestimmen, verwende ich folgende Hilfsmittel: TPE (PhotoEphemeris) oder PhotoPills (nur Apple). Und für das Wetter nutze ich Weatherpro.

Was gibt es bei den Locations zu beachten?

Die allerwichtigste Priorität für mich ist, die Natur und das Wild respektieren. Dabei achte ich auf die Wild- und Naturschutzzonen. Falls ich mal unsicher bin, wie weit ich gehen darf, frage ich beim Förster oder den Einheimischen nach. Dies kann oft zu spannenden Gesprächen führen und ich bekomme neue Ideen.
In einer Stadt oder einem Dorf achte ich darauf, dass ich möglichst keine Privatgrundstücke betrete. Falls es für das perfekte Motiv aber doch mal erforderlich ist, frage ich einfach nach – Gespräche sind die besten Türöffner.

Einzuplanen ist auch die Frage der Anreise. Wie lange dauert es, wie ist sie am besten zu erreichen? Wie nah komme ich heran, wo gibt es Möglichkeiten, das Auto zu parken? Oder lohnt sich eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Dann heißt es, ab bestimmten Stationen (Parkplatz, Bahnhof etc.) mit der kompletten Ausrüstung zu Fuss weiterzugehen.

Wichtig ist natürlich auch die Entscheidung, ob es eine Tagestour werden soll oder ich über mehrere Tage hinweg unterwegs sein will. Entsprechend plane ich vorher, ob ich ein Hotel, eine Berghütte oder mein Zelt brauche. Bei letzterem muss ich bedenken, dass ich dadurch mehr Gewicht zu schleppen habe und eine geeignete Location brauche, um das Zelt aufzubauen.

Wetter und Jahreszeiten

Jede Jahreszeit braucht seine eigenen Vorbereitungen.

Der Sommer ist sicher nicht nur vom Gewicht der Ausrüstung angenehmer, sondern auch hinsichtlich der wärmeren Temperaturen. Trotzdem studiere ich vorher genau die Wettervorhersagen, damit ich weiss, was ich zusätzlich an Ausrüstung mitnehmen muss. Bei unsicheren Wettervorhersagen gehört der Regenschutz mit ins Gepäck. Die Berge sind besonders herausfordernd, da es plötzliche Wetterumstürze geben kann. Vorsicht ist vor allem an fliessenden Gewässern geboten. Schon ein fernes Gewitter kann zu einem plötzlichen Wasseranstieg führen oder gar eine Flutwelle auslösen.

Im Sommer ist es definitiv einfacher, eine Fototour zu planen. Denn im Winter birgt der Schnee Gefahren, wenn ich in die Berge gehe. Da ist es wichtig, sich zu informieren.

Der Winter hat für mich einen grossen Reiz, auch wenn das nicht unbedingt für das Gewicht der Ausrüstung gilt. Dafür liebe ich die Herausforderung, das Vorwärtskommen im Schnee und die Ruhe, die eine Winterlandschaft bietet. Denn der Schnee dämpft viele Geräusche. Zudem finde ich Winterlandschaften einfach als Fotomotiv wunderschön. Bei den Wintertouren achte ich immer darauf, dass ich alleine unterwegs sein kann, ohne ein zu grosses Risiko einzugehen. Ich bin nur bei sicheren Schneeverhältnissen und auf relativ sicheren Routen unterwegs und informiere mich vor jeder Tour genau über die Lawinensituation und das Wetter.

Fotoausrüstung

Zu den Vorbereitungen gehört natürlich auch die Fotoausrüstung. Mein Leitsatz: «So wenig wie möglich, so viel wie nötig». Bei einer Tagestour mit kurzen Wegen ist immer alles dabei. Bei längeren Touren überlege ich mir sehr genau, was ich fotografieren möchte. Denn je weniger Gewicht ich dabei habe, umso angenehmer ist es. Bei Mehrtagestouren kommt es darauf an, wo ich übernachte. Geht es in ein Hotel, kommt alles mit. Ich kann mich dann für jeden einzelnen Tagesausflug neu entscheiden. Wenn ich auf einer Berghütte oder mit dem Zelt unterwegs bin, muss das Equipment genauer geplant werden.

Bei Landschaftsaufnahmen habe ich immer ein Stativ und die Filter dabei. Gehe ich durch Städte oder Orte, lasse ich beides meistens zu Hause – tagsüber sowieso, manchmal auch nachts.

Persönliche Ausrüstung

Auch hier gilt: «So wenig wie möglich, so viel wie nötig».
Wenn ich nicht allzu lange laufen muss, nehme ich meinen Fotorucksack. Sobald ich für die Wege mehr als eine Stunde Fussweg einplanen muss, nehme ich einen normalen Wanderrucksack, weil das Tragesystem angenehmer ist. Es gibt im Handel inzwischen aber auch wirklich gute Fotorucksäcke, die für einen ganztägigen Ausflug geeignet sind. Bei meinen Ausflügen in die Berge, egal ob Hotel, Berghütte oder Zelt, benutze ich meinen wasserdichten Rucksack.

Wie verpacke ich da meine Fotoausrüstung? Die Kamera und Objektive lege ich in dünne Kompressionssäcke und dann einfach in den Rucksack. Da schaue ich, dass sie so gut wie möglich zwischen den anderen Sachen gepolstert sind. Der Kleinkram kommt auch in solche Säcke, damit ich es immer gut finde.
Worauf ich bei meiner persönlichen Ausrüstung achte, ist eine gute Qualität und vor allem das Gewicht.
Was nehme ich an Verpflegung mit? Das hängt natürlich davon ab, ob ich eine Tages- oder Mehrtagestour plane. Immer dabei ist genügend zu trinken. Dafür nutze ich PET-Flaschen, weil die am leichtesten sind. Bei der Tagestour nehme ich meistens etwas Brot, Trockenfleisch oder Käse, Gemüse, Früchte und Nüsse mit. Wenn ich in eine Berghütte oder Hotel gehe, reichen ein paar Nüsse zur Stärkung zwischendurch. Mit dem Zelt sieht es anders aus, da gönne ich mir den Luxus und das Gewicht eines Kochers. Denn ich empfinde es als eine Wohltat, am frühen Morgen meinen heissen Tee trinken zu können und einen warmen Frühstücksbrei zu essen. Am Abend ist es manchmal echt auch gut, etwas Warmes in den Bauch zu kriegen, vor allem, wenn die Temperaturen niedrig sind. Ich koche mir dann Outdoor-Fertiggerichte oder etwas sehr Einfaches, zum Beispiel Gemüsereis.

Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

1. Wo möchte ich fotografieren?
2. Was möchte ich da fotografieren?
3. Wann möchte ich mein Motiv fotografieren? (Jahreszeit und Tageszeit)
4. Welches Objektiv ist am besten geeignet für das Motiv?
5. Stativ/Filter ja oder nein?
6. Wie ist der Wetterbericht?
7. Tages- oder Mehrtagestour?
8. Wie komme ich zur Locations?
9. Wie lange muss ich zur Locations laufen?
10. Wo kann ich übernachten, Hotel/Berghütte/Zelt?
11. Was nehme ich an persönlicher Ausrüstung mit?
12. Was nehme ich an Verpflegung mit?

Das Schönste an der Vorbereitung (Checkliste Fototour Vorbereitung) ist die Vorfreude auf ein kleines Abenteuer draussen in der Natur oder der Stadt. Und mit diesen Punkten wird Deine nächste Fototour garantiert gelingen. Natürlich kannst Du Deine Fototour gerne auch mit mir zusammen machen: In einem Fotokurs oder auf einer meiner Fotoreisen erlebst Du live, wie sich eine gute Vorbereitung auf das Gelingen einer Foto-Exkursion auswirkt.

Ich wünsche Dir jetzt schon viel Spass bei den Vorbereitungen und Gut Licht, wenn Du am Fotografieren bist.

Hier einige Bilder, bei denen eine Planung sehr wichtig war.

 

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