Privatfotokurs mit Jens Krauer

Interview mit Jens Krauer – Streetfotograf

Es wird in Zukunft hier auf dem Blog auch einige Kurzinterviews mit Menschen aus der Fotowelt geben. Es werden jeweils fünf Fragen an Fotografen, Fachverkäufer, Bildredaktoren, Fotoagenten, Hobbyfotografen, Galeristen, Art Directoren usw… gestellt.
Warum ich das mache? Weil ich es immer wieder spannend finde, auf andere Menschen zu treffen und zu erfahren, wie sie denken und was sie machen. Ich empfinde diesen Austausch als Bereicherung für mein Leben und möchte das gerne mit Dir teilen.

Fünf Fragen an…?

Damit es nicht nur Menschen sind, die vor allem ich kenne, lasse ich meine Interviewpartner aussuchen, wem ich als nächstes fünf bis sieben Fragen stelle.

Falls Du immer schon mal ein paar Fragen an eine bestimmte Person richten möchtest, kannst Du mir gerne den Namen und Deine fünf bis sieben Fragen vorschlagen – ich kümmere mich dann darum.

Das erste Kurz-Interview habe ich mit Jens Krauer geführt, einem leidenschaftlichen Streetfotograf aus Zürich.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

2011 bis 2012 war ich beruflich ein Jahr im Ausland. Gegen Ende dieses Jahres habe ich für mich entdeckt, dass es sehr spannend ist, Eindrücke meines und des Lebens meiner Kollegen im Umfeld einer anderen Kultur festzuhalten. Nachdem ich zurück in der Schweiz war, habe ich von Freunden sehr positives Feedback auf meine Bilder bekommen und habe dann beschlossen, mich mehr mit Fotografie auseinanderzusetzen. 2013 kaufte ich meine erste Fuji X100s und beschäftigte mich intensiv mit der Strassenfotografie.

Was reizt Dich an der Streetfotografie?

Das Unerwartete und der Fakt, dass nichts beeinflusst oder erschaffen werden kann. Strassenfotografie erfordert eine intensive Beobachtungsgabe, Geduld und gute Schuhe. Die Erfolgsrate ist relativ klein, aber die Belohnung ist enorm, wenn man “das Bild” gefunden und auch eingefangen hat. Dazu kommt, dass, wenn man sich der Dokumentation der Menschen um einen herum widmet, dies nicht nur allgemein sehr spannend, sondern auch auf persönlicher Ebene sehr lehrreich ist.

Nach welchen Kriterien suchst Du Deine Bilder aus?

Nach persönlichem Gefallen, Meinung von guten Freunden, denen ich vertraue, im direkten Vergleich zu guten Fotografen und vor allem nach dem Kriterium, ob das Bild etwas transportiert, was den Betrachter idealerweise emotional berührt. Technische Perfektion spielt hier klar eine untergeordnete Rolle. Nach Henri Cartier-Bresson: “Sharpness is a bourgeois concept”. Ich schätze direkte und konstruktive Ehrlichkeit sehr, wenn es um das Editieren von Bildern geht. Gute Bilder müssen für mich etwas aussagen und eine gewisse Relevanz haben. Nur schön reicht nicht.

Warum sind Deine Bilder hauptsächlich Schwarz/Weiss?

Ich habe in Farbe angefangen. Ein Freund, der ebenfalls fotografiert, hat mir ganz am Anfang auf der Basis meiner ersten Bilder klar gesagt, dass ich Farben fotografiere. Im Anschluss habe ich alle meine Bilder in Schwarz-Weiss konvertiert und achtzig Prozent aussortiert. Das war sehr lehrreich für meine Fotografie und auch dafür, wie wichtig ehrliche Kritik ist. Danach gefiel mir der klassische Look so sehr, dass es für mich keine Frage war, dass Bilder in Schwarz- Weiss funktionieren müssen, bevor Farbe ins Spiel kommt. Farbe fasziniert mich aber immer wieder mehr. Vielleicht kommt bald mehr Farbe zurück in meine Bilder.

Wie stark bearbeitest Du Deine Street-Bilder?

Inhaltlich gar nicht. Streetfotografie beinhaltet, dass nichts am Vorgefundenen manipuliert wird, weder während dem Fotografieren, noch in der Post-Production. Ich mache meine eigene Schwarz-Weiss- Konvertierung, arbeite mit der Tonkurve, Weiss- und Schwarz-Punkt, sowie minimalem Cropping, um z.B. den Horizont zu korrigieren. Alle Bilder, die zuviel Arbeit erfordern, verwerfe ich als Skizze und behalte die Bild-Idee für die Zukunft.

Was beschäftigt Dich in der Fotografie?

Dass ich es nie schaffen werde, alles einzufangen, was da draussen wartet. Zeit zu haben, klar zu sehen und offen zu sein für das Leben, das sich vor meiner Linse abspielt. Für die nächsten Jahre sicher auch mehr Reportagefotografie sowie Documentary Arbeit mit klaren Themenbereichen.

Lieber Jens herzlichen Dank für Deine Zeit und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Gut Licht!

Hier einige Bilder aus dem aktuellen Portfolio von Jens Krauer (www.urbanframes.com).

 

JK_Photomundo_Interview-3 JK_Photomundo_Interview-4 JK_Photomundo_Interview-5 JK_Photomundo_Interview-6 JK_Photomundo_Interview-8 JK_Photomundo_Interview-11 JK_Photomundo_Interview-14

3 Kommentare zu “Interview mit Jens Krauer – Streetfotograf”

  • Marcello Weber (cellocall)

    18.01.17

    Lieber Philipp

    Kompliment an deine neue Sparte in deiner Photomundo-Welt!
    Wen hat nun Jens ausgesucht, dem du die nächsten 5 Fragen stellen darfst?

    Liebe Grüsse,
    Marcel

    • Jens Krauer

      18.01.17

      Lieber Marcello

      Wir freuen uns auch auf neue Photomundo Abenteuer! Der nächste Interviewpartner wird bald gefunden sein.

      Liebe Grüsse:

      Jens

    • Philipp Dubs

      18.01.17

      Lieber Marcello

      Danke für das Kompliment.

      Jens ist sich noch am Gedanken machen, wer der nächste Interviewpartner ist. Ich freue mich auf jedenfall auf das nächste Interview.

      Herzlicher Gruss

      Philipp

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.